November 30, 2013

Authentisch sein: Eine Anleitung

Was bedeutet es eigentlich genau, authentisch zu sein?

Oft höre ich den gut gemeinten Tipp: „Sei doch einfach du selbst!“

Na toll, denke ich mir da!

“Wie zum Teufel bin ich denn einfach ich selbst? Woher soll ich denn wissen, wer ich überhaupt bin bin?”

Danke für den Rat.

Lange Zeit tappte ich, wie vielleicht auch du, da völlig im Dunkeln. Doch es scheint immer mehr Licht ins Dunkle.

Deshalb fasse ich in diesem Artikel einmal meine persönliche Sichtweise auf das Thema zusammen. Du erfährst, wie du es endlich schaffst, du selbst zu sein und ganz nebenbei noch eine ganze Menge Spaß dabei hast.

Fertig?

Los!

Ich weiß nicht wie es dir geht, aber ich hatte in meinem bisherigen Leben oft Probleme, authentisch sein zu können. Meistens passierte das, wenn ich mich mit Leuten umgab, die in meiner Wahrnehmung cooler sind, als ich (sind sie das wirklich?).

Die vermeintlich einen höheren Status haben, als ich. Die scheinbar in allen Lebensbereichen weiter sind, als ich.

Wie mich das genervt hat!

Dann war mein Lieblingswitz auf einmal nicht mal mehr ansatzweise lustig, jede meiner Bemerkungen unpassend und unqualifiziert.

In solchen Situationen fühlte ich mich immer absolut miserabel. Zum einen dachte ich: “Verdammt Tim, du beschäftigst dich doch jetzt schon so lange mit diesem Kram, wieso bist du immer noch so verklemmt? Wo ist dein Selbstbewusstsein, dein Witz und deine positive Ausstrahlung?“

Zum anderen fangen meine Gedanken an zu rasen. Sie wollen zwanghaft etwas finden, was ich in dieser Situation passendes sagen könnte.

„Was könnte ich jetzt sagen, das mich in den Augen dieser Zeitgenossen in ein gutes Licht stellt? Dass sie mich mögen. Ob sie wohl auf das Thema Fußball anspringen? Mensch, ich kann nie wirklich witzig sein, wenn es drauf ankommt!“

Negativer Bullshit und beides absolut kontraproduktiv für‘s Selbstwertgefühl!

Authentizität

Wikipedia sagt zum Thema Authentizität:

[…] bedeutet Echtheit im Sinne von „als Original befunden.“

In der Situation von eben versuche ich, meine Gefühle zu überspielen. Ich will sie nicht haben, ärgere mich über sie, will, dass sie niemand mitbekommt und möchte nichts mehr, als dass sie so schnell wie möglich weggehen.

Original, im Sinne der Definition, sind sie aber gerade nun mal da.

Tja.

Authentizität bedeutet für mich jetzt, mir keine falsche Maske aufzusetzen. Mich nicht abzulehnen und mich gegen diese Gefühle zu wehren. Es bedeutet nicht zu versuchen, den Leuten ein Selbstbild von mir zu verkaufen, das einfach nicht existiert.

Wenn ich mich eben jetzt unsicher fühle, dann ist das halt so. Kein Grund mich deshalb auch noch fertig zu machen.

Da kann ich es genauso gut auch einfach zeigen und dazu stehen. Gefühle unterdrücken muss nicht sein!

Das ist oftmals schwer, denn es erfordert eine Menge Mut.

Aber das ist für mich Authentizität. Mich nicht für das zu schämen, was ich bin und fühle, es anzunehmen und auch zu zeigen.

Wut, Trauer, Unsicherheit, aber auch überschäumende Freude, Liebe und Glück.

Einfach nichts zurückhalten.

Denn auch wenn ich gute Emotionen nicht zeigen kann, bin ich nicht authentisch.

Wie ich persönlich damit umgehe

Immer wenn ich merke, dass ich nach Zeichen und Hinweisen suche um zu sehen ob ich akzeptiert bin, dass die Leute mich cool finden und auf meinen Gesprächsbeitrag Wert legen und ich dann anfange, genau diese Zeichen durch irgendein aufgesetztes, unechtes Verhalten zu provozieren, sage ich mir mental „HAAAAAAAAALT STOP“.

Ich unterbreche meine innere Stimme bevor sie völlig außer Rand und Band gerät.

Denn das ist eine hoffnungslose Mission kann ich dir sagen.

Ich trete dann einen Schritt zurück.

Ich kenne mich inzwischen sehr gut. Das heißt, ich kann in solchen Situationen aus mir heraustreten und die Situation analysieren. Ich kann meine Gefühle spüren, und so erkennen, was gerade abläuft.

Ich weiß, ich möchte die Situation gerne ändern. Doch anstatt krampfhaft gegen die ganzen aufbrodelnden Gefühle anzukämpfen, nehme ich sie zuerst einmal an.

Ich sage mir: „Ok Tim, hier ist das Gefühl, da bist du. Schön dass du dich so gut wahrnehmen kannst und dir bewusst ist, was in dir abgeht. Deshalb kannst du etwas dagegen tun. Nachdem du es akzeptiert hast. Also bleib locker, du fühlst dich im Moment zwar alles andere aus souverän, aber das ist okay, das geht jedem Mal so. Dafür wird dich niemand hassen. Du bist ok so, wie du bist“

Wie geht’s von dort aus weiter?

Nun, mir hilft es immer unglaublich, mich ganz langsam und ohne Druck auf die Situation einzulassen.

Anzukommen sozusagen.

Anstatt mir selber unnötigen Druck zu machen sage ich mir dann: „Entspann dich Tim, du musst hier keinen was beweisen, die anderen Menschen stehen dir wohlgesonnen gegenüber und akzeptieren dich so, wie du bist. Außerdem müssen dich nicht alle Anwesenden in den nächsten 5 Minuten schon lieben!“

Natürlich sagt mir mein Gefühl etwas anderes. Aber durch diesen fortwährenden Dialog mit mir selber erkenne ich langsam, dass dieses Gefühl oft nicht der Wahrheit entspricht.

So reift dann langsam die wirkliche Erkenntnis, dass ich niemandem etwas beweisen muss, sondern dass die anderen mich doch viel lieber mögen, wenn ich so bin, wie ich bin.

Was solls, ich werde es überleben.

Auch wenn das in diesem Moment nicht meinem schönen Selbstbild entspricht. Schmeiß das Selbstbild aus dem Fenster, es macht dir nur Ärger!

Aus dieser entspannten Haltung bringe ich mich dann langsam ins Gespräch ein.

So merke ich direkt, dass niemand wirklich etwas von mir erwartet.

Denn ich verrate dir mal ein kleines Geheimnis: wie cool und entspannt jemand auch nach außen wirken mag, in Wirklichkeit kämpft er genauso wie du, in einer bestimmten Art und Weise wahrgenommen zu werden.

Also nochmal kurz zusammengefasst:

  • Situation akzeptieren
  • Langsam auf die Situation einlassen (keinen jetzt-sofort Druck aufbauen)
  • Sich die „Fakten“ vor Augen führen
  • Ich bin gut genug
  • Ich muss niemandem etwas beweisen
  • Niemand reist mir den Kopf ab/ hasst mich hinterher
  • Etwas unternehmen
  • Seine Handlung akzeptieren (egal wie stoffelig du dich angestellt hast)
  • Erkennen, dass dieser riesige Druck nur in deinem Kopf entsteht
  • …und wieder von vorne in der nächsten Situation

So lerne ich offen, authentisch und ehrlich auf die Menschen zugehen und gute Emotionen in ihren Tag bringen.

Denn ob du es glaubst oder nicht, Authentizität schafft Verbindung, Vertrauen und Anziehung!

So muss ich mich vor sozialen Situationen mit neuen Menschen nicht mehr verstecken bzw. ihnen ausweichen, nur weil ich Schiss habe, meine eigene Persönlichkeit zu zeigen.

Ich habe jetzt die Möglichkeit, wirklich authentisch zu sein, auch wenn das bedeuten mag, mich auch mal so zu zeigen, wie ich eigentlich nicht sein möchte.

Seit ungefähr 2 Jahren stelle ich so meine echte Persönlichkeit auf die Bahngleise der Meinung anderer.

Ganz bewusst. Kein Vermeidungsverhalten sondern pure Konfrontation. Ich gehe mitten durch.

Was hat mir das gebracht?

Es interessiert mich immer noch, was andere von mir denken. Das wird wohl auch nie wirklich aufhören.

Aber Tag für Tag lege ich weniger Wert darauf.

Ich habe aber gelernt, mich nicht zu verstellen, um das Bild von mir zu erzeugen, was ich erzeugen möchte.

Das ist ein unglaublich befreiendes Lebensgefühl.

So entwickelt sich nämlich immer mehr der wirkliche, feste und unerschütterliche Glaubenssatz dass ich genug bin, so wie ich bin!

Tag für Tag wird dieser Glaubenssatz so mehr gefestigt!

Probier’s mal aus.

Grüße
Tim

envelopeP.S. Wahrer Authentizität liegt immer ein hohes Selbstwertgefühl zu Grunde. Mögen wir uns selbst nicht, so ist es uns unmöglich, uns authentisch zu zeigen.

Wenn wir denken, irgendetwas stimmt nicht mit mir, verstellen wir uns.

Ich konnte erst wirklich authentisch sein, als ich meine Beziehung zu mir selbst von Grund auf revolutionierte.

Du kannst das auch. Ich habe nämlich einen komplett kostenlosen E-Mail Kurs zum Thema Selbstwertgefühl stärken entworfen in dem du lernst, dich wieder in einem liebevolleren Licht zu sehen und so den Mut bekommst, dich authentisch und frei auszudrücken.

Trage dich hier ein und es kann direkt losgehen.


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9 comments
  • Poitr del Alias

    Tjoa und was, wenn ich es gar nicht so schwer fände, ich selbst zu sein? Dann kommt das Problem: Ich glaub, viele wollen mich nicht so haben, wie ich bin. Manchmal die ganze Welt nicht! Schreib doch mal einen Artikel über “wie finde ich eine Nische, in der ich mich zuhause fühle”? Mag sich sarkastisch anhören, ist aber gar nicht so gemeint.

    Sich selbst annehmen, usw, blahblah, klar das ist eine Baustelle. Aber was, wenn jemand klar zu spüren gibt: Du gehörst hier nicht hin, so wie du drauf bist.

    January 26, 2014 10:33 pm || Reply

    1. Hey Poitr,

      danke für den Kommentar.

      Also als erstes würde ich einmal bezweifeln dass es wirklich objektiv so ist, dass dich die ganze Welt nicht so haben will, wie du bist.

      Du hast es ja selbst schon geschrieben “Ich glaub, viele wollen mich nicht so haben,…”

      Das du die Welt so wahrnimmst, könnte gut an diesem Glaubenssatz liegen.

      Versuch doch einmal ganz gezielt kleine Gegenbeweise zu finden. Suche mal ganz gezielt nach Situationen, wo dich die Leute akzeptiert und gemocht haben.

      Ich würde meine Hand dafür ins Feuer legen, dass du da welche findest, wenn du mal deine alten Glaubenssätze für eine Sekunde über Bord wirfst.

      Von dort aus kannst du dann Schritt für Schritt weiter nach Beweisen suchen, dass es nicht zwangsläufig immer so sein muss.

      Und wenn dir Leute das ganz bewusst spüren lassen – dann liegt das meiner Meinung ganz eindeutig an einer Charakterschwäche ihrerseits.

      Ob du dich mit solchen Menschen dann auf Dauer umgeben möchtest, ist dann dir überlassen 🙂

      Liebe Güße

      Tim

      January 27, 2014 7:10 pm || Reply

  • […] zu können wie der andere Typ. Auch hier ist der Schlüssel Verletzlichkeit. Warum nicht die eigene Unsicherheit zugeben und offen darüber reden? Das würde sein Leistungsdruck verringern und die Intimität und […]

    January 28, 2015 11:36 am || Reply

  • @you

    Die, die dich nicht so wollen, wie du bist, sind es nicht wert. Wir müssen weder alle mögen, noch von allem gemocht werden. Warum auch?

    March 7, 2016 7:00 pm || Reply

  • Katja

    In meinen Augen hast du so Recht damit, was Du schreibst. Nach vielen Stolpersteinen, mache ich gerade die gleiche Entwicklung durch und fühle mich das erste mal in meinem Leben frei!

    May 17, 2016 8:15 pm || Reply

  • Tim Hamer

    Das freut mich sehr zu hören Katja. Weiter so! 🙂
    Freiheit!!

    May 18, 2016 2:26 pm || Reply

  • Katy

    Ich bin grad zufällig auf deinen Artikel gestoßen und er hat mir schon echt sehr geholfen um zu verstehen, wie ich das alles überhaupt angehen soll. Ich befinde mich momentan auch in so einer Situation, in der ich mich frage wer ich überhaupt bin und wie ich es wieder schaffe, dass mein Mann mir komplett vertrauen kann. Ich hoffe dazu finde ich auch noch einen Artikel von dir!

    November 15, 2016 11:52 pm || Reply

  • Tim Hamer

    Hey Katy,

    zu Beziehungsthemen wird in nächster Zeit definitiv mehr kommen 🙂

    Liebe Grüße,
    Tim

    November 22, 2016 9:03 pm || Reply

  • mieni

    hallo Tim,
    das was du schreibst klingt schön und nach Idealen.
    ich habe diese Seite gern gelesen und dabei viel nachgedacht.
    “in echt” ist das aber so: wenn man sich etwas aufbaut kann es auch mehr als nur wieder einstürzen. Dann bist du schlechter dran als vorher.

    wenn man an jemanden gerät, der lügt, kann man sich nicht wehren.

    vor allem aber: wenn man grobe Fehler macht muss man sich selbst stark einschränken. Sich selbst noch zu loben und nach außen hin zu zeigen “ich finde mich gut” ist dann absolut rücksichtslos und bringt andere auf.
    danke für den Artikel, hat mir trotzdem geholfen, ein paar Minuten heile Welt.

    August 26, 2017 9:59 pm || Reply

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