März 16, 2018

Gelassen bleiben: Wie es durch Schreiben gelingt

Ich bin ein impulsiver Mensch. Wenn etwas einmal nicht so klappt, wie ich es mir wünsche, könnte ich vor Verzweiflung alles hinschmeißen.

Aber ich tu es nicht.

Meistens zumindest.

Denn ich habe mir vorgenommen, ein selbstbestimmtes, kraftvolles Leben zu führen und mit Gelassenheit auf Hindernisse zu reagieren. Ich möchte meinem inneren Kompass folgen, anstatt mich von aufwallenden Emotionen treiben zu lassen.

Was noch lange nicht heißt, dass mir das immer gelingt.

Doch gäbe es nicht ein paar überaus mächtige Schreibmethoden, dann würde es noch viel seltener klappen mit der Gelassenheit. Ich wäre schon um einige Nerven, Tassen und Freunde ärmer.

Falls du dich auch manchmal deiner Wut, Frustration oder Traurigkeit ausgeliefert fühlst, dann sind die folgenden Methoden auch etwas für dich.

Methode 1: Die Wut herausschreiben

Die typischen Frustmomente

Kennst du diese Momente, in denen du meinst, gleich platzt du vor Wut?

Du hast dir solche Mühe bei der Arbeit gegeben, um pünktlich nach Hause zu kommen. Doch im letzten Moment halst dir dein Chef einen Termin auf. Nun musst du ackern, während deine Familie zu Hause auf dich wartet.

Oder deine Meinung wird in einer Diskussion einfach ignoriert und je mehr du versuchst Argumente zu finden, umso lauter machen sie sich über dich lustig.

Oder du hast in der Schule oder in der Uni fleißig auf eine Prüfung gelernt und dein Lehrer fragt etwas ganz anderes als ausgemacht war.

Liegt es da nicht nahe deine Wut herauszubrüllen? Dir so endlich Luft zu verschaffen?

Ein Blatt Papier

Manchmal kann das Herausschreien des Frusts vielleicht das Richtige sein. Häufig jedoch schadest du dir so einfach bloß selbst. Du fährst aus der Haut, hast dich nicht mehr unter Kontrolle und sagst Dinge, die du danach bereust. Du kannst so Menschen nachhaltig verletzen oder sogar eine Beziehung zerstören.

Hast du stattdessen schon einmal probiert, deine Wut einem Blatt Papier anzuvertrauen?

Nimm einfach einen Stift in die Hand und notiere alle Gedanken, Gefühle und Wortfetzen, die dir durch den Kopf schwirren. Es gibt dabei kein richtig und falsch. Alles ist gut genug aufgeschrieben zu werden. Du brauchst auch keine ganzen Sätze zu schreiben. Selbst Brocken genügen. Und jugendfrei muss der Text auch nicht sein. Auch Schimpfwörter sind erlaubt.

Was das Ganze soll?

Probier die Methode einfach mal aus, wenn du das nächste Mal nicht weißt, wohin mit der Wut. Ein solcher Aufschrieb befreit. Du nimmst deinen Zustand ernst, lässt raus, was in dir brodelt, und gewinnst so zugleich etwas Abstand zu dem Chaos in dir drin. Eine wichtige Grundlage für mehr Gelassenheit.

Meist ist es danach viel einfacher mit der Situation so umzugehen, dass es dir und anderen dadurch besser geht. So kannst du nun mit dem Menschen, auf den du so wütend warst, viel gelassener reden. Und manchmal ist nicht einmal das mehr nötig.

Methode 2: Morgenseiten als Schreibmeditation

Tag für Tag

Nicht nur als Akutmaßnahme für mehr Gelassenheit kann das Schreiben Wunder wirken. Regelmäßiges Schreiben hält sogar noch mehr Wachstumspotential für dich bereit. Unter dem Namen Morgenseiten hat Julia Cameron eine besonders wirkungsvolle Methode bekannt gemacht.

Nimm dir vor, jeden Tag, gleich nach dem Aufstehen, drei Seiten zu schreiben. Denk dabei nicht nach, sondern schreib alles auf, was dir durch den Kopf geht.

Falls du daran zweifelst, worin da der Sinn liegt oder du meinst, dass dir nichts einfällt, dann schreib einfach das. Du kannst auch Wörter oder ganze Sätze wiederholen, wenn sich dein Kopf vollkommen leer anfühlen sollte. 
Wenn du fertig bist, leg die Seiten beiseite oder schlag das Notizbuch zu. Lies dir nicht nochmal durch, was du geschrieben hast.

Mit Routine in die Kraft

Das Geheimnis dieser Methode liegt in der Routine.

Erst nach einigen Tagen oder Wochen wirst du ihre volle Kraft erleben. Das freie, unzensierte Schreiben erlaubt deinen Gedanken frei zu fließen. So dringst du in immer tiefere Schichten deines Inneren vor und stärkst deine Assoziationskraft.

Für deinen Alltag entsteht durch diesen Dialog mit dir selbst eine tiefe Gelassenheit weit über die Zeit des Schreibens hinaus – ähnlich wie bei der klassischen Meditation.

Methode 3: Visionen schreibend entwerfen

Die Zukunft ist jetzt

Vielleicht kennst du bereits die Macht von Visualisierungen. Indem wir unser zukünftiges Ich vor unserem inneren Auge entstehen lassen, beeinflussen wir unser Glück, unseren Erfolg und unsere Zufriedenheit. Und wenn wir wissen, worauf es uns wirklich ankommt im Leben und davon überzeugt sind, auf der richtigen Spur zu sein, führ dies zur Gelassenheit.

Es fühlt sich dann in etwa so an, als hättest du in dir einen Kompass, der dir dabei hilft, nach deinen Träumen, Idealen und Werten zu leben.

Dein idealer Tag

Das Schreiben kann uns dabei helfen, besonders lebendig und nachhaltig zu visualisieren. Die folgenden Fragen helfen dir dabei, deinen idealen Tag vor deinem inneren Auge entstehen zu lassen.

Versetz dich in Gedanken ein, zwei oder drei Jahre in die Zukunft. Stell dir vor, alles ist genau so gelaufen, wie du es dir gewünscht hast und deine beruflichen und persönlichen Träume haben sich erfüllt. Nimm einen Stift und ein Blatt und antworte auf folgende Fragen in der Gegenwart.

  • Wie sieht dein Tagesablauf aus?

  • Was siehst, riechst und hörst du, wenn du morgens die Augen aufschlägst?

  • Welcher Tätigkeit gehst du tagsüber nach?

  • Wie genau lebst du: Allein? Mit Familie? In einer WG?

  • Welche Hürden hast du erfolgreich überwunden, bis du da angelangt bist, wo du nun stehst?

  • Wie verbringst du deine Freizeit?

  • Was genau macht dein Glück aus – wonach riecht, klingt und schmeckt es?

Antworte in Ruhe und mit so vielen Details wie möglich. So begibst du dich immer tiefer in deine Vision.

Das Schreiben hilft dir, mit allen Sinnen zu visualisieren und deine Vorstellung besonders lebendig werden zu lassen. So richtest du deinen inneren Kompass auf deine persönliche und berufliche Erfüllung aus.

Indem du all dies aufschreibst, verleihst du deiner Vision eine besonders große Verbindlichkeit. So schöpfst du Kraft, um in der Gegenwart die notwendigen Schritte zu gehen.

Dein eigener Weg

Diese Übung ist nicht dafür gedacht, sie bloß einmal zu machen.

Geh immer wieder in deine Vision hinein. So wird sie besonders wirksam und du dir bewusst, ob du noch auf dem richtigen, auf deinem eigenen Weg bist. Je nach Bedarf steuerst du nach oder verfeinerst deine Vorstellung.

Ruhe und Gelassenheit werden die Folge sein, denn auch wenn dein Alltag mal stressig sein mag und die Emotionen hochkochen – so fällt es dir leichter im Einklang mit deinen Träumen zu handeln.

Durch Übung zur Gelassenheit

Gelassenheit ist sicherlich kein Charakterzug, den man einmal erworben nie wieder einbüßt.

Um durchweg gelassen durchs Leben zu gehen, bedarf es viel Übung. Doch die lohnt sich, denn nur gelassen können wir im Einklang mit unseren Werten Entscheidungen treffen und lernen, unseren eigenen Weg zu gehen.

Die hier vorgestellten Methoden können dich dabei ein wenig begleiten.

Was hilft DIR ganz besonders dabei, mit Gelassenheit durchs Leben zu gehen?

Andreas Schuster ist Schreibtrainer & Autorencoach und bloggt auf schreiben-und-leben.de. In seinem kostenlosen E-Book “Deinen Roman gebacken bekommen” zeigt er dir, wie du federleicht dein eigenes Buch schreibst.

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