“Longitudinale Studie zur Entwickelung des Selbstwertgefühls vom frühen Erwachsenenalter bis ins Greisenalter”

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Lange Zeit galt es in der Wissenschaft als umstritten, ob sich das Selbstwertgefühl mit dem Alter verändert.

In einer gemeinschaftlichen Studie haben Ulrich Orth von der Universität Basel, Kali H. Trzesniewski von der University of Western Ontario und Richard W. Robins der University of California, die Entwicklung des Selbstwertgefühls zwischen dem frühen Erwachsenenalter und Greisenalter untersucht. [1]

Die Daten stammten aus einem Datensatz der “Americans’ Changing Lives” Studie. Es wurde eine repräsentative Stichprobe von 3,617 Personen zwischen 25 und 104 Jahren analysiert.

Jeder Studienteilnehmer wurde maximal 4 Mal während der Studie befragt, in einem Zeitraum von 16 Jahren.

Es wurden die Auswirkungen vom Geschlecht, Ethnizität, Bildung, Einkommen, Arbeitssituation, Zufriedenheit in einer Beziehung, Familienverhältnis, soziale Unterstützung, Gesundheit, und die Häufigkeit einschneidender Ereignisse im Leben auf das allgemeine Selbstwertgefühl der Personen untersucht.

Das Selbstwertgefühl wurde mit einer 3 Item Version der Rosenberg Self-Esteem Scale (RSE, Rosenberg, 1965) gemessen.

“I take a positive attitude toward myself”
“At times I think I am no good at all,” (reverse-scored)
“All in all, I am inclined to feel that I am a failure” (reverse-scored).

Der Vorteil einer longitudinalen Studie ist, dass sie durch ihre lange Dauer intraindividuelle Faktoren ausfindig machen kann, die das Selbstwertgefühl beeinflussen und blendet so Kohorteneffekte aus.

Ergebnisse der Studie:

So konnte gezeigt werden, dass sich das Selbstwertgefühl im Laufe des Lebens in einer quadratischen Kurve entwickelt. Im frühen Erwachsenenalter steigt das Selbstwertgefühl an, bis es bei ungefähr 60 Jahren seinen Höhepunkt erreicht. Danach nimmt es wieder ab.

Es konnte ein Anstieg im Selbstwertgefühl um circa eine halbe Standardabweichung (d = .47) zwischen Personen zwischen 25 und 60 Jahren festgestellt werden und ein Abfall im Selbstwertgefühl um circa zwei-drittel Standardabweichungen (d =.68) zwischen 60 und 100 Jahren.

Nur im frühen Erwachsenenalter bleibt das Selbstwertgefühl von Frauen hinter dem von Männern zurück und gleicht sich im Verlauf des Lebens immer weiter an.

Auch ein positiver Einfluss von Bildung auf das Selbstwertgefühl konnte nachgewiesen werden.

Der Rückgang des Selbstwertgefühls im Alter wird auf Veränderungen im sozio-ökonomischen Status und der allgemeinen Gesundheit zurückgeführt.

Im Gegensatz dazu haben Beziehungsvariablen (Zufriedenheit in einer Beziehung, Familienstatus und soziale Unterstützung), sowie die Häufigkeit einschneidender Ereignisse im Leben keinen Einfluss auf den Verlauf des Selbstwertgefühls im Leben eines Menschen.

Grenzen der Studie

Die Probanden wurden nicht den kompletten Verlauf ihres Lebens begleitet, sondern nur über einen Zeitraum von 16 Jahren. Das Selbstwertgefühl wurde nur anhand von 3 Items (anstatt der üblichen Items 10 der Rosenberg Self-Esteem Scale) erhoben.

Außerdem sind die Aussagen nur für den westlichen Kulturbereich gültig. Andere Studien lassen vermuten, dass sich das Selbstwertgefühl in asiatischen oder afrikanischen Kulturkreisen im Bezug auf das Alter anders entwickeln würde.

[1]

Orth, Ulrich, Trzesniewski, Kali H., Robins, Richard W. Self-Esteem Development From Young Adulthood to Old Age: A Cohort-Sequential Longitudinal Study, 2009.
(Weblink: Zugriff am 13.01.2015)

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