Februar 16, 2014

Deine innere Stimme: Lass sie dich nicht benutzen!

In diesem Artikel wirst du erfahren, was ich auf einer nächtlichen Zugfahrt über mich selbst lernen konnte, wie sich dadurch mein Leben in einer unvorstellbaren Art und Weise zum Positiven gewandelt hat und wie du genau das Gleiche schaffen kannst.

Jeder, der mit seinem Verstand identifiziert ist statt mit seiner wahren Stärke, dem tieferen, im Sein verankerten Selbst, wird die Angst als ständigen Begleiter haben.
– Eckhart Tolle

Kennst du das eigentlich auch?

An manchen Tagen feiert da irgendjemand eine Party in unseren Köpfen. Viele Stimmen quatschen wild durcheinander, vielleicht spielt zwischenzeitlich nochmal unser Lieblingslied und alles scheint ein wenig außer Kontrolle geraten zu sein, Unruhe breitet sich aus.

An anderen Tagen sitzt du sprichwörtlich auf der Anklagebank und musst dir Vorwürfe zu Dingen anhören, die in deiner Vergangenheit passiert sind. Du verspürst den Drang, dich zu rechtfertigen.

Kaum hast du niedergeschlagen den Gerichtssaal verlassen, stolperst du, anstatt endlich mal an die frische Luft, Hals über Kopf in das Zimmer einer Wahrsagerin. Die prophezeit dir auch prompt eine eher düstere Zukunft, ohne dass du sie wirklich danach gefragt hättest.

Zwischendurch wachst du einmal kurz auf und stellst fest: „Oh, ich sitze ja in der U-Bahn“ und schon geht die Reise weiter in die Zukunft, in der du endlich alles erreicht hast und es dir selbst erlaubst, glücklich zu sein.

Oder auch nicht.

Zumindest ist sie immer da: die innere Stimme.

Diese zugegebenermaßen etwas drastische Schilderung soll dich darauf hinweisen, wie unkontrolliert unser Verstand oftmals in uns schaltet und waltet, ohne dass wir wirklich bewusst Notiz davon nehmen.

Eckhart Tolle, für mich einer der “coolsten” und inspirierensten Typen überhaupt, hat einmal etwas sehr wegweisendes gesagt.

Ich kann mich nicht mehr an den genauen Wortlaut erinnern, aber es ging in etwa so: „Wenn jemand zum Arzt geht und sagt, ich habe eine Stimme in meinem Kopf, dann wird er oder sie wahrscheinlich zu einem Psychiater geschickt.“

In Wirklichkeit ist es aber so, dass jeder von uns ständig eine oder mehrere innere Stimmen in seinem Kopf hört.

Diese Stimme in unserem Oberstübchen…

  • kommentiert.
  • spekuliert.
  • urteilt.
  • vergleicht.
  • regt sich auf.
  • diskutiert.
  • verteidigt sich.
  • übt Streitgespräche.
  • macht Vorwürfe.
  • sagt uns eine wunderbare Zukunft voraus.
  • verspricht uns die Hölle auf Erden.

Nur eins tut sie ganz sicher nicht, einfach mal die Fresse zu halten.

Diese Stimme brabbelt bei den meisten Menschen sehr unkontrolliert vor sich hin. Wir können nicht einfach mal so diese Gedanken abschalten.

Was hat diese innere Stimme also mit deinem Selbstwertgefühl zu tun?

Alles!

Diese Stimme bestimmt (da steckt ja Stimme in dem Wort, fällt mir gerade erst auf) also wortwörtlich, was für ein Bild du von dir selbst hast.

Sie bestimmt, was genau du über dich selbst denkst, wie du dein Handeln bewertest, was für Erwartungen du an dich selbst stellst, wie andere dich behandeln.

Was dem Fass dabei den Boden ausschlägt ist, dass sie das oft völlig unwillkürlich und ohne unsere ausdrückliche Einwilligung tut, und wir das noch nicht einmal zu merken scheinen.

Diese innere Stimme kann dir also einen vom Pferd erzählen und behaupten, du wärst erst etwas wert, wenn der neue Porsche vor dem Haus steht und alle neidisch zu dir heraufblicken und du glaubst es einfach.

Weil du dieser Stimme einfach alles glaubst.

Weil du mit ihr identifiziert bist.

Der Peiniger in deinem Kopf.

Viele Menschen leben mit so einem Peiniger im Kopf, der sie ununterbrochen angreift, kritisiert, bestraft und ihnen die Lebensenergie abzieht.

Sie sind vollkommen mit ihm identifiziert.

Was wäre jetzt aber, wenn ich dir sage, dass diese innere Stimme eben NICHT du bist. Dass du viel mehr bist als dein Verstand, der da unaufhörlich und in allen Tonlagen auf dich einredet?

Wäre all das noch real, wenn die Stimme einfach mal aufhören würde, dich pausenlos vollzuquatschen?

Wow!

Erste Begegnungen.

Als ich das zum ersten Mal gehört habe, war das auch eher schwer verdauliche Kost für mich. Ich habe mir sofort gesagt: „Ach was, wer bin ich denn außer dem, was ich denke, so ein Quatsch“, oder „Klar kann ich meine Gedanken lenken, was wäre ich denn ohne sie, ich brauche sie doch, um meine Ziele im Leben zu erreichen, das unterscheidet mich doch von einem Tier.“

Nach einiger Zeit merkte ich jedoch, dass das ja im Grunde auch diese Stimme im Kopf war, die mir versuchte genau das einzureden. Vielleicht hat sie es mit der Angst zu tun bekommen, dass ich ihren Schwindel bald aufdecken könnte. Sie wurde sogar richtig böse und verdammte dieses Buch*, was ich da las.

Wer weiß…

Zumindest gab es ab diesem Moment kein Zurück mehr.

Die nächtliche Zugfahrt.

Ich weiß es noch, als wenn es heute gewesen wäre.

Ich saß damals im Zug um eine gute Freundin zu besuchen. Ich hatte sie einmal in Portugal kennengelernt.

Ich hatte das (von meinem Verstand) gehasste Buch in meiner Tasche und haderte fortlaufend mit mir, es doch noch einmal zu lesen. Irgendetwas in mir sträubte sich ungemein dagegen und wollte mich davon abhalten, auf der anderen Seite fühlte ich mich auch irgendwie du diesem Buch hingezogen.

In diesem Moment des Zwiespalts habe ich zum ersten Mal wirklich bewusst diese Stimme in meinem Kopf beobachtet, und zwar ohne mich komplett mit ihr zu identifizieren.

Ich saß dort an diesem späten Sommerabend 2009 in diesem rumpligen Zugabteil und beobachtete mich selbst beim Denken.

In diesem Moment geschah etwas sehr interessantes.

Für einen ganz kurzen Moment war ich wirklich einfach nur da.

Es gab keine Sorgen, es gab keine innere Stimme im Kopf dir mir einredet ich müsste dieses oder jenes tun, um ein wertvoller Mensch zu sein.

Ich war einfach nur da. Ein sehr subtiles, erhebendes Gefühl machte sich in mir breit.

Doch so schön dieser Moment auch war, so schnell war er auch wieder vorbei.

Aber der Same war gesät.

Den Denker beobachten.

Wenn du wirklich an deinem Selbstwertgefühl arbeiten willst, ist diese Erkenntnis der absolute Startpunkt deiner Reise. Ich würde sagen damals, in dieser Sommernacht im Zugabteil fing für mich ein neuer Abschnitt in meinem Leben an.

Ich habe den Denker nicht mehr zu 100% ernst genommen.

Fange also direkt heute an, so oft du kannst, die Stimme in deinem Kopf zu beobachten. Ohne sie zu be- oder verurteilen.

Höre der Stimme einfach zu, sei als Beobachter gegenwärtig.

Du wirst sicherlich nach einiger Zeit anfangen, Urteile zu fällen: „Ah, da war wieder ein Gedanken der mich selbst kritisiert, haha, erwischt!“.

Das ist ganz normal und bedeutet nur, dass der Denker, wie Tolle ihn nennt, sich einfach wieder zur Hintertür reingeschlichen und dich perfide ausgetrickst hat.

Mit etwas Übung wirst du es für immer längere Perioden schaffen, den Denker einfach nur zu beobachten, ohne ihm all sein Geschwätz auch noch abzunehmen.

Dadurch erkennst du, dass du nicht deine Gedanken bist, sondern etwas, das seinen Ursprung jenseits des Verstandes hat.

Deine Identifikation mit dem Verstand kann nur durch anhaltendes Denken in Gang gehalten werden.

Durch anhaltendes, unbewusstes Denken.

Rückst du dieses kontinuierliche Denken in den Fokus deiner Bewusstheit, so verliert es an Macht über dich.

Das ist der erste Schritt zu mehr Selbstwertgefühl.

Wie genau du den Denker beobachten kannst, erfährst du auch in meinem kostenlosesn E-Mail Kurs zum Thema Selbstwertgefühl!

Die Folge: du nimmst den Verstand nicht mehr so unsäglich ernst.

Irgendwann wirst du dann merken, dass du deinen Verstand nicht mehr so ernst nimmst, ihn von außen beobachten kannst und deine Identität nicht mehr aus ihm ziehst.

Was du jetzt genau bist, das kann und will ich hier auch nicht genau erklären, es spielt für mich auch keine allzu große Rolle. Eines weiß ich jedoch mit absoluter Sicherheit, wir alle sind mehr als unser kleiner, trolliger Denker da oben, diese kleine Quasselstrippe.

Das steht für mich in Stein gemeißelt.

Lächle über die innere Stimme – nimm den Inhalt nicht mehr so ernst – dann wird dein Selbstwertgefühl nicht mehr so sehr davon abhängen.

Die Rolle des Denkens.

Ich kann gut verstehen wenn du jetzt einwendet, dass wir den Verstand doch aber brauchen. Er unterscheidet uns doch von den Tieren und hat uns zu dem gemacht, was wir sind.

Da gebe ich dir vollkommen Recht. Der Unterschied liegt darin, ob wir unseren Verstand bewusst in bestimmten Situationen benutzen, oder ob er uns unaufhörlich benutzt.

Dein Verstand ist ein Instrument, ein Werkzeug. Wenn bestimmte Aufgaben erledigt sind, dann schaltest du ihn wieder ab.

Locker 80-90% des Denkens sind schädlich und vor allem komplett nutzlos. Beobachte deinen Verstand, und du wirst das sehr schnell erkennen.
Dann bist du frei von diesem unwillkürlichen inneren Dialog.

Kannst du den Denker einmal beobachten, dann wirst du merken, dass er…

  • sich ständig mit anderen vergleicht.
  • dir ständig einredet, du müsstest irgendwelche Dinge in der Zukunft erreichen.
  • sagt, du müsstest dich gegen ander durchsetzen.
  • behauptet du musst aufpassen, dass andere Menschen dich nicht benutzen…
  • …oder schlecht behandeln.
  • Dir verklickern will, du müsstest mit einer bestimmten Sorte Mensch verkehren und deren Anerkennung bekommen anstatt dir Leute zu suchen, mit denen es einfach so passt.

Bla Bla Bla.

Wie geht es weiter?

Von hier aus kannst du hingehen, und diese Gedanken zum Positiven beeinflussen, sie auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen.

Noch ein Schritt weiter wäre es, gar nichts mehr zu denken und vollkommen im Moment zu sein. Wie du deine Gedanken durch positives Denken beeinflussen kannst und dein Leben durch mehr Präsenz ins Hier und Jetzt verlagern kannst, das wirst du in einem anderen Artikel erfahren.

Ich kann dir nur allerwärmstens ans Herz legen, deinem Denker mal etwas mehr bewusste Aufmerksamkeit zu schenken.
Übe ab heute so oft du kannst, den Denker zu beobachten und nicht mehr so oft ins Unbewusste abzudriften. Schaue ihm bei der Arbeit zu, nimm ihn nicht mehr so ernst und gebrauche ihn, anstatt dich von ihm missbrauchen zu lassen.

Das kannst du in dein Leben holen, indem du Meditation lernst oder dich mit Achtsamkeitsübungen beschäftigst.

P.S. Weitere sehr wirkungsvolle Methoden, um mehr Selbstliebe in dein Leben zu holen findest du in meinem Ausführlichen Guide zum Thema Selbstliebe.

P.P.S. Ich würde mich sehr freuen, wenn du einen kleinen Kommentar hinterlassen würdest und die andern Leser an deinen Erfahrungen mit dem Beobachten deines Verstandes teilhaben zu lassen.


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11 comments
  • andy

    Eckhart Tolle hat Recht … man kann sich auch bei youtube entsprechende Seminare
    ansehen in denen er das Hier und Jetzt sehr genau beschreibt und wie man dahin kommt (in die eigene Tiefendimension). Es kann sogar oft sein dass sich Gedankenmuster auf einmal von selber auflösen da das Bewusste merkt dass es letztendlich nur ein unwahrheitsgemässes Gerüst ist, woran wir uns festhalten..
    Mozart, Bach und Beethoven haben ihre Musik auch nicht mit dem Verstand komponiert denn solche Wunder der Kreativität entstehen aus der inneren Tiefendimension…

    Februar 16, 2014 7:46 pm || Antworten

    1. Hey andy,

      ja, das Hier und Jetzt ist dann im Grunde der Schlüssel zu einem guten, hohen Selbstwertgefühl. Wir können dann unseren Verstand im Hier und Jetzt benutzen anstatt unbewusst von ihm benutzt zu werden.

      Ich werde in den kommenden Wochen noch 2-3 Artikel dazu veröffentlichen, wie wir es schaffen können, präsenter, aufmerksamer und so mit mehr Selbstliebe durch die Welt zu eiern 🙂

      Liebe Grüße

      Tim

      Februar 16, 2014 7:57 pm || Antworten

  • biwi

    Hey Tim,

    danke für den gehaltvollen Artikel!

    Ich kenne den ‘Denker’ als ‘Innerer Kritiker’ und finde ihn auch reichlich anhänglich…

    Wenn ich mir seiner ‘Arbeit’ bewusst werde, bedanke ich mich immer erstmal bei ihm und lasse dann ‘los’. Allein dieses ‘bewusst machen’ hilft schon bei der Entlarvung sehr…

    ‘Bewusste Grüße’
    BiWi

    Februar 19, 2014 11:44 am || Antworten

    1. Hey Biwi,

      ja, das Bedanken ist ne echt gute Idee, so regst du dich nicht so schnell über ihn auf in öffnest im unbemerkt wieder Tür und Tor damit er weiterhin sein “Unwesen” treiben kann.

      Danke für den guten Tipp.

      Liebe Grüße

      Tim

      Februar 19, 2014 12:02 pm || Antworten

  • Ali

    Das schlimme ist, wie ich finde, das wenn man manchmal einfach so unbegründet ein schlechtes Gefühl hat, der “Denker” uns vorgaukeln will woher das kommt und dann sind es die verrücktesten Sachen wie “vllt hab ich ne Depression” oder “vllt habe ich ein Mangel an irgendeinem Hormon” und das Fatale ist das du einfach diesem “Gedanken der enstanden” ist glaubst. Du glaubst es weil es ja von dir kommt und das automatisch annimmst. Dein Kopf versucht unbegründete Gefühle mit den absurdesten Sachen zu rechtfertigen oder zu belegen und dann kommt dieses Cluster wo man ein Argument nach dem anderen angeblich für diese negative These findet und auf die Suche geht wie in Form der Vergangennheit und sich dann sagt “ahh jaa damals hatte ich genau an jenem und jeden Tag auch diese Merkmale einer Depression” und schon haste unbewusst dir einen Glaubenssatz erschaffen und glaubst den Quark weil der Denker dich ausgetrickst hat. Als ich mich damals mit Persönlichkeitsentwicklung nicht beschäftigt habe oh man ich war echt am Ende meiner Kräfte aber JETZT? Ja was soll ich sagen? Ich liebe mein Leben. Danke Eckhart Tolle und danke Tim

    Dezember 7, 2014 4:45 pm || Antworten

    1. Super Ali,

      das freut mich sehr zu hören!! BAM!

      Dezember 8, 2014 12:46 pm || Antworten

  • Daniel Scholz

    Ich vermute seit geraumer Zeit das uns unsere Stimme beeinflusst. Und das eine gewisse Macht dahinter steckt, die uns kontrollieren möchte damit.

    Januar 8, 2019 12:10 am || Antworten

    1. Tim Hamer

      Könnte man so sagen, ja. Die beste Lösung: Einfach nicht so ernst nehmen und vor allem nicht alles glauben. Beobachten und gut 🙂

      Januar 26, 2019 3:52 pm || Antworten

  • Peter

    Hallo ich hab ne fragen kann man das Gefühl haben wenn man innerlich denkt das das ein anderer hört

    April 24, 2019 2:48 pm || Antworten

  • Oemer

    War eben am büffeln da hat mich meine innere Stimme wieder einmal am ungestörten lesen gehindert und meine konzentration gestört. Dieser Artikel gibt ein guten Blick auf die dieses “Problem”. Nämlich das unser Ursprung, nennen wir es mal “Geist”, nicht von unserem Verstand abhängig ist oder gar mit diesem gleichzusetzten ist, sondern eher eine Bewusstseinsstufe höher steht und als Beobachter funktionieren kann. Sehr lesenswert.

    Mai 15, 2019 8:12 am || Antworten

    1. Tim Hamer

      Danke, freut mich wenn der Artikel dir helfen konnte, mehr Klarheit zu bekommen 🙂

      Mai 31, 2019 4:49 pm || Antworten

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