Juni 14, 2019

Deine Vergangenheit loslassen – in 4 kraftvollen Schritten

In diesem Artikel zeige ich dir, wieso niemand unter seiner Vergangenheit leiden muss und wie du deine Vergangenheit loslassen kannst.

Und ja, bei vielen Menschen sind traumatisierende Dinge passiert.

Fast jeder Mensch musste in seinem Leben Erniedrigung ertragen und Schicksalsschläge verkraften.

Das Leben ist ein Vollkontaktsport, wir bekommen zwangsläufig den einen oder anderen Schlag ab.

Das lässt sich kaum vermeiden (und wenn wir es wirklich versuchen zu vermeiden, wird das Leben schnell sehr langweilig und wir finden uns in unserem kleinen Schneckenhaus wieder, isoliert von anderen Menschen und gefangen in unseren eigenen Ängsten).

Doch gibt es Menschen, die Schicksalsschläge scheinbar gut verkraften und nach einiger Zei scheinbar gestärkt aus ihnen hervorgehen, während andere ein Leben lang unter ihnen leiden.

Manche Menschen wollen leiden (ohne es zu wissen)

Das Argument der “Leider” ist dann oft: “Ja, die mussten aber auch nicht ertragen, was ich ertragen musste.”

Ich höre das auch immer wieder in meinen Coachings: “Tim, du weißt aber nicht, wie es MIR geht.”

Auch wenn es natürlich stimmt, dass ich das nicht weiß, so macht es doch wenig Sinn, sich krampfhaft an seiner Ausrede festzuklammern, wieso ich jetzt aber wirklich darunter leiden MUSS und es keine andere Möglichkeit gibt.

Und auch, wenn ich niemandens Erfahrung ab- bzw. bewerten will – sich selbst in diese Opferposition zu manövrieren hat auch einen gewissen Komfort.

Ich kann mich in Selbstmitleid suhlen anstatt mit aktiv mit meiner Vergangenheit auseinanderzusetzen – und sie dann loszulassen.

Denn nur, wenn wir es schaffen, die Vergangenheit loszulassen, haben wir wieder Energie und inneren Freiraum für die Zukunft.

Es gibt unzählige Menschen die berichten, dass ihre größten Schicksalsschläge im Nachhinein betrachtet ihre größten Gechenke waren.

Wieso berichten einige Menschen soetwas, während andere Leiden?

Diese Menschen haben ihren Erlebnissen (absichtlich oder unabsichtlich) eine andere, hoffnungsvollere Bedeutung gegeben.

Deine Vergangenheit loslassen – Schritt #1: Annahme

Wir können uns drehen und wenden, wie wir wollen – im Moment gibt es noch keine verlässliche Möglichkeit, die Vergangenheit ungeschehen zu machen.

Leider verbringen trotzdem viele Menschen ihr ganzes Leben, die Vergangenheit zu verdammen und sich vor der Zukunft zu fürchten – sodass sie niemals die Schönheit des Moments sehen können – er bleibt so immer eingefärbt von unseren Gedanken.

Daher bleibt uns nur eine Möglichkeit. Wir müssen Frieden mit der Vergangenheit schließen und akzeptieren, was uns passiert ist – auch und gerade wenn es sich immer noch negativ auf unsere Gegenwart auswirkt.

Danach erst können wir die Vergangenheit loslassen.

Denn dass die Vergangenheit immer noch regelmäßig hochkommt liegt nicht daran, dass es eben so ist, sondern dass wir uns nicht bewusst mit ihr auseinandergesetzt und sie akzeptiert haben.

Solange wir nicht akzeptieren können, was uns passiert ist – wenn wir in Selbstmitleid ertrinken oder uns täglich selbst Vorwürfe für unser “falsches” Verhalten oder für “Fehler” machen, geben wir 100% unserer Macht ab.

Denn außer etwas zu lernen können wir jetzt rein gar nichts tun. Wir erzeugen also komplett unnütz eine Menge Leid und bekommen dafür nichts. Naja, außer unangenehmer Gefühle und zerstörter Lebensfreude.

Auch wenn es dir schier unmöglich erscheint. Verzeihe dir für deine Fehler. Sie sind passiert. Schaue, was du daraus lernen kannst und gucke in die Zukunft.

Deine Vergangenheit loslassen – Schritt #2: Deine Vergangenheit mit Liebe und Dankbarkeit betrachten

Am Ende geht es mir für dich um einen liebevolleren Umgang mit der Vergangenheit.

Stell dir vor wie dein Leben aussehen würde: Wenn du mit Dankbarkeit und liebevoll auf alles zurückblicken kannst, was bisher passiert ist. Auch wenn es dir noch so schlimm erscheinen mag.

Wenn du Wut, Angst oder Scham über deine Vergangenheit nicht mehr jeden Tag dein Leben beeinflussen lassen würdest?

Wenn wir genau hinsehen erkennen wir den wahren Grund, wieso wir unter der Vergangenheit leiden.

Es sind nicht die Geschehnisse an sich, die das Leid verursachen. Denn sie sind vorbei.

Was das Leid verursacht sind die immer wieder gleichen Bilder und Gedanken die wir, bewusst oder unbewusst, jeden Tag in unseren Köpfen erzeugen.

Wenn diese Bilder ablaufen, nehmen wir sie als real an und können nicht mehr anders, als emotional genauso zu reagieren, wie damals.

Die Vergangenheit existiert nur noch in unserem Köpfen. Wir erschaffen sie jeden Tag neu weil wir nicht aufhören können, über die Vergangenheit nachzugrübeln.

Und zwar mit konditionierten, automatischen Gedanken, die wir uns nicht ausgesucht haben.

Das ist super-faszinierend, weil all das stark unterbewusst abläuft. Daher meinen wir, dass unsere Interpretation der Ereignisse die einzig wahre wäre.

Wir kämpfen gegen die Vergangenheit an – anstatt sie zu akzeptieren für das, was sie ist.

Gedanken über deine Gedanken über die Vergangenheit

Doch es bleibt oft nicht dabei, dass wir die Vergangenheit in unseren Gedanken täglich immer wieder aufs Neue erschaffen. Wir erschaffen auch noch Gedanken über diese Gedanken.

  • “Wieso musste genau MIR das passieren, das ist so unfair!”
  • “Ich bin ein abgrundtief schlechter Mensch, was ich getan habe kann ich mir niemals verzeihen.”
  • “Damit habe ich mir meine Zukunft komplett runiert.”

Doch hier sind wir wieder am gleichen Punkt. Diese Gedanken müssen nicht real sein – sie sind vielmehr irgendwann einmal entstanden (eventuell geprägt aus der Gesellschaft) und wurden von uns als komplett wahr angenommen.

Nie haben wir uns gefragt: “Was bringt es mir, genau diesen Gedanken zu glauben?” oder “Wie fühle ich mich, wenn ich täglich diese Gedanken denke?”

Stattdessen denken wir sie einfach, oft ohne es zu bemerken, und wundern uns dann, wieso wir unter dem, was da passiert ist (genauer unter unseren Gedanken darüber) einfach nicht loslassen können.

Vergangenheit loslassen: Schritt #3: Deine Gedanken hinterfragen

Das größte Problem ist, dass viele Menschen nicht erkennen, dass ihre Gedanken über das, was passiert ist, nicht zwangsläufig wahr sein müssen.

Sie kommen uns nur so wahr vor, weil wir sie schon so oft gedacht haben (und sie wohl auch täglich von unserem Umfeld bestätigt worden sind).

Solange wir den Gedanken blind alles glauben, was sie uns so erzählen, haben wir keine Chance, die Vergangenheit loszulassen.

Wenn du Lust hast, ein wenig hinter die scheinbare Wahrheit deiner Gedanken zu schauen, dann frag dich doch mal, wie oft sie dir schon etwas erzählt haben, was sich dann schlicht als nicht wahr herausgestellt hat.

Ich hatte in meinem Leben schon hundertausend Mal Kopfkino und Angst vor Gefahren, die dann nie eingetroffen sind.

Meiner Erfahrung nach erzählt unser Verstand uns zu 99.9% etwas, das einfach nur etwas ist – es muss nicht zwangsläufig wahr sein.

Hier liegt übrigens nicht nur die Ursache für Schmerzen in Bezug auf die Vergangenheit – sondern generell in unserem Leben.

Wenn wir unseren Gedanken alles glauben, scheint die Welt oft gefährlich, unberechenbar und hinter jedem Satz anderer Menschen eine versteckte Intrige.

Positives Denken ist Schwachsinn

Doch der erste Schritt, um deine Vergangenheit loszulassen ist nicht, dich einfach dazu zu zwingen, bessere Gedanken zu denken. Denn jeder, der das schon einmal versucht hat wird bemerkt haben, dass diese alten Gedanken eine nicht zu verachtende magnetische Anziehungskaft haben.

Deine Gedanken und ihre Wirkung erkennen

Der erste Schritt ist daher zu bemerken, dass du diese Gedanken denkst. Einfach so. Ohne sie zu verdammen (also noch weitere Gedanken über deine Gedanken zu haben).

Bemerke danach, wie du dich fühlst, wenn du diese Gedanken denkst.

Schaue danach mal in deinem Leben. Fühlst du dich wirklich immer belastet von deiner Vergangenheit?

Oder gibt es auch Momente, in denen du sie quasi vergessen hast. Nimm zum Beispiel die ersten zehn Sekunden, nachdem du morgen aufgewacht bist. Da ist doch eigentlich immer alles in Ordnung.

Bis dann der erste automatische Gedanke in deinen Kopf kommt. Du lebst also nicht in der Welt wie sie ist, sondern in deinen Gedanken über die Welt.

Deshalb kannst du auch dein Gefühl als super Gradmesser nehmen. Immer, wenn du dich unwohl fühlst denkst du mit Sicherheit (bewusst oder unbewusst) Gedanken, die nicht wahr sind.

Ich weiß, es ist eine große Herausforderung zu erkennen, dass Gedanken nur Gedanken sind. Sie kommen uns so real und vor allem so persönlich vor. Schließlich sind sie ja in unserem Kopf.

Doch diese Erkenntnis wird dich frei machen. Übrigens nicht nur von der Vergangenheit, sondern in deinem kompletten Leben.

Vergangenheit loslassen: Schritt #4: Einen Sinn finden

Was wäre, wenn alles genau richtig gelaufen wäre?

Ich erkenne für mich immer mehr, dass mein Leben bisher einfach perfekt gelaufen ist. Auch wenn ich das zum Zeitpunkt vieler Ereignisse ganz anders gesehen habe.

Als ich damals in der fünften und sechsten Klasse von allen Mitschülern gehänselt und von meinen damals besten Freunden verraten wurde – wie soll ich als 10 Jähriger Junge darin einen Sinn sehen?

Ich war davon traumatisiert und verlor das Vertrauen in andere Männer.

Von dort an fiel es mir schwer, tiefe Beziehungen aufzubauen und meine Schutzschild wurde immer dicker. Ich versteckte mich hinter Coolness, Status und Erfolg.

Das machte mir das Leben schwer – aber heute weiß ich, dass es ein essentieller Bestandteil meines Lebens war. Ohne dieses Ereignis hätte ich mich wahrscheinlich niemals so tiefgreifend mit mir beschäftigen müssen – und könnte heute nicht mit dir all meine Erkenntnisse und Erfahrungen teilen.

Also ist es gut, dass mir das passiert ist – auch wenn ich es natürlich lieber vermieden hätte.

Ausbildung für den A*rsch

Dass ich mich mit 19 für 3 ½ Jahre durch eine Ausbildung mit einem Meister gequält habe, der seinen Ausbildungsauftrag sträflich vernachlässigte und Null menschliche und didaktische Kompetenz hatte – sodass ich jeden Tag Angst hatte, auf die Arbeit zu gehen – war damals nicht anderes als eine tägliche, große Qual.

Doch im Nachhinein betrachtet war es sinnvoll weil es mir ermöglicht hat, aus alten Denkgewohnheiten auszubrechen und zu erkennen, dass nur ich am Ende selbst entscheiden kann, was gut für mich ist.

Nicht meine Eltern, nicht mehr Freude, Lehrer oder die gesellschaftlichen Vorgaben. Ich. Auch dieses Wissen teile ich mit anderen Menschen und helfe ihnen, zu mehr persönlicher Freiheit zu gelangen.

Deine Vergangenheit hat dich dahin gebracht, wo du heute bist

Die Wahrheit ist – alles in deiner Vergangenheit hat dich jetzt dahin gebracht, wo du bist.

Du könntest jetzt sagen, da ist aber eine Menge Leid.

Aber könnte es nicht genauso eine spannende Reise zu mehr Bewusstheit sein? Was wäre, wenn der Grund deiner Erfahrung wäre, deinen Mitmenschen (Familie, Freunde, Kinder) etwas wichiges mitzugeben, ein Vorbild zu sein?

Was wäre, wenn du ohne diese Erfahrungen nicht zu dem geworden wärst, der du heute bist – mit allen wichtigen Lektionen auf dem Weg?

Immerhin liest du jetzt diesen Artikel und bestimmt auch andere Bücher über persönliche Entwicklung. Du bist einer derjenigen, der sich aktiv mit sich selbst beschäftigt und seine Vergangenheit loslasen will.

Menschen wie dich braucht die Welt mehr, denn je. Womöglich war das ihre Art und Weise dir zu zeigen, dass du persönlich wachsen sollst.

Zwei Arten, mit der Vergangenheit umzugehen

Wir können uns entscheiden, wie wir unsere Vergangenheit betrachten wollen. Wollen wir dauerhaft im Widerstand sein und leiden?

Oder endlich weiterziehen.

Das Leben geht sowieso weiter – ob du gedanklich in der Vergangenheit bleibst, oder nicht.

Du kannst dich entscheiden, ob du nach vorne oder hinten schauen willst (ohne natürlich die Vergangenheit zu leugnen oder gar zu verdrängen).

Überall gibt es versteckte oder nicht so versteckte Lektionen für uns. Wenn wir uns darauf fokussieren, anstatt in Selbstmitleid zu versinken, macht es uns das Leben viel einfacher.

Es hilft uns, die alten, belastenden Gedanken über die Vergangenheit loszulassen. In diesem Moment findet Heilung statt, die Vergangenheit verliert ihren Einfluss auf uns.

Alles ist passiert, damit du wachsen kannst

Vielleicht sind die “schweren” Erlebnisse auch passiert, weil du wachsen sollst. Ich glaube, dass wir alle (oder unser Unterbewusstsein) immer dazu bestrebt sind, höhere Bewusstseinsstufen zu erreichen.

Was wäre wenn dein Unterbewusstsein schwere Situationen in deinem Leben kreiert hat, weil du ein wenig lauter hören musstest, dass du gerade auf einem Weg unterwegs bist, der nicht optimal für dich ist.

Es hilft dir, unbewusste Anteile genau ins Auge zu sehen und sie loszulassen.

Wenn wir so bewusst mit der Vergangenheit umgehen, dann macht uns das stärker, liebe- und verständnisvoller mit anderen.

Es gibt uns mehr Lebenserfahrung und Weisheit. Wenn du mehr über die Macht erfahren willst, die wir Menschen über unsere Realität und die Deutung von Ereignissen und auch der Vergangenheit haben, dann kann ich dir das Buch “Trotzdem Ja zum Leben sagen” von Viktor Frankl ans Herz legen.

Die Vergangenheit loslassen

Am Ende war es bei mir nicht ein simples Austauschen von Gedanken. Das mag sich kurz gut anfühlen. Doch die damit verbundenen Gefühle kommen doch wieder hoch, wenn irgendetwas in unserem Leben sie auslöst.

Wollen wir die Vergangenheit dauerhaft loslassen, dann müssen wir uns auch den Gefühlen zuwenden, die unsere Gedanken an die Vergangenheit erzeugen.

Wenn wir dauerhaft an diesen Gefühlen festhalten (d.h. sie wegmachen wollen, sie verändern wollen, sie verdammen oder unterdrücken), dann kommen sie immer wieder.

Genauso, wie es unerlässlich ist, sich seiner Gedanken (und deren illusorischen Charakter) bewusst zu werden ist es, sich liebevoll und akzeptierend mit den Gefühlen auseinanderzusetzen, die mit unserer Vergangenheit in Verbindung stehen.

Akzeptieren wir diese Gefühle, anstatt gegen sie anzukämpfen und lassen sie dann los, so verlieren sie mehr und mehr ihre Macht über uns.

Denn wir leiden nur unter Gefühlen, wenn wir sie als etwas negatives ansehen und gegen sie kämpfen. Wenn wir sie akzeptieren und so sein lassen, wie sie sind, ziehen sie weiter.

Du hast immer die Wahl

Das gilt nicht nur für die Vergangenheit. Jede Begebenheit im Leben ist eine Chance für dich, ein Stück weiter zu wachsen, oder eben dich ein Stück weiter zurückzuziehen.

Immer dann, wenn wir bewusst und im Moment mit den Gedanken über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft umgehen, können Gefühle loslassen, Gedanken erkennen und werden so Schritt für Schritt innerlich freier.


Bei jeder Erfahrung haben wir die Wahl: Bewusster Umgang oder Rückzug. Wir können uns entscheiden, ob wir es akzeptieren und loslassen, oder unser ganzes Leben festhalten und dann davon gezeichnet herumlaufen wollen.


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