März 1, 2015

Sich selbst im Weg stehen

Wir allen wünschen uns Glück, Erfolg, erfüllende Beziehungen, einen Job, der uns Spaß macht und obendrein noch einen Traumkörper und Gesundheit.

Doch schaue ich mich um, so ziehen viele Menschen nicht das in ihr Leben, was sie gerne haben wollen.

In unserer heutigen, vernetzten Welt bekommst du doch jede nur erdenkliche Information mit wenigen Mausklicks direkt auf deinen Computer, Smartphone oder Tablet serviert. Ohne das Haus verlassen und ohne auch nur einen Cent dafür berappen zu müssen.

Hätte mir vor 150 Jahren jemand gesagt, er würde so gerne abnehmen, wisse aber beim besten Willen nicht wie, dann hätte ich es ihm abgekauft. Heute kann mir niemand mehr so kommen. Die Informationen sind da.

Und doch schaffen es viele Menschen nicht, ihre Ziele zu erreichen. Sie machen einen Job, der ihnen kein Spaß macht. Sie ernähren sich ungesund und in ihrer Beziehung sind sie auch nur noch aus Angst, keinen anderen Partner mehr zu finden.

Woran liegt das? Mangelnde Informationen können zumindest heute nicht mehr als Schuldige herangezogen werden. Ich lüfte einmal den Vorhang: Es liegt daran, dass viel zu viele Menschen sich selbst im Weg stehen. Sie blockieren sich selbst. Sie sind gefangen in einer engen Welt voller abstruser Glaubenssätze, Ängsten und scheinbar unüberwindbaren Zwängen.

Sie kommen dort einfach nicht heraus. Die meisten wissen noch nicht einmal, dass sie ihr ganzes Leben in diesem Gefängnis verbringen. Es ist zur Normalität geworden. Er nimmt es nicht mehr wahr, wie ein Fisch nicht das Wasser wahrnimmt, in dem er sein ganzes Leben schwimmt.

5 Arten, wie man sich selbst im Weg stehen kann

Sich selbst im Weg stehen können wir uns auf hunderte Arten und Weisen. Im uns selbst ein Bein stellen sind wir große Meister. In diesem Artikel werde ich einmal die 5 häufigsten Wege aufführen, sich selbst im Weg zu stehen und dir erklären, wie du damit umgehen kannst.

  • Sich selbst ablehnen.
  • Limitierende Glaubenssätze.
  • Ungünstiger Umgang mit Ängsten.
  • Kein Bezug mehr zum eigenen Körper.
  • Nicht wissen, was wir wollen.

Sich selbst im Weg stehen #1: Limitierende Glaubenssätze vermiesen uns das Leben

Du kannst keinen erfüllenden Beruf finden, wenn du davon überzeugt bist, dass “Arbeit nur zum Geldverdienen da ist.” Genauso wenig wirst du eine glückliche Beziehung führen können, wenn du glaubst, dass “du nur mit deinem Partner wirkliches Glück empfinden kannst.”

Es wird dir nicht gelingen, einen Traumkörper zu bekommen, wenn du glaubst, dass “du einfach keine Disziplin bist und du einen schlechten Stoffwechsel hast.” Du wirst niemals erfolgreich werden und viel Geld verdienen, wenn du meinst, dass “du nicht intelligent genug” oder “zu faul” bist.

Ein Glaubenssatz ist ein Gedanke, den du regelmäßig denkst. Dein Kopf hat sich schon so an ihn gewöhnt dass er ihm eine große, vierspurige Autobahn direkt in dein Bewusstsein zementiert hat. Immer, wenn du auf dieser Autobahn entlangrast, dann siehst du links und rechts nichts mehr. Du siehst nur noch die Straße vor dir. Du denkst, es wäre die einzige Straße, die du fahren kannst.

Die Menge deiner Glaubenssätze bestimmen deine Realität. Wenn du ständig diese Dinge denkst, dann wirst du sie irgendwann glauben. Sie formen dann deine Realität. Die Betonung liegt hier auf “deine”. Denn es ist nicht die Realität. Die Realität gibt es nicht. Du denkst nur, dass es die Realität wäre, denn du siehst links und rechts nicht mehr.

Doch deine Realität entsteht nur in deinem Kopf.

Alles, was du machen musst und das zu verändern ist, deine Glaubenssätze zu verändern. Deine Realität wird folgen. Bei meinen Kollegen von Zeit zu leben erfährst du, wie du deine Glaubenssätze effektiv ändern kannst und so aufhörst, dir selbst im weg zu stehen.

Sich selbst im Weg stehen #2: Ungünstiger Umgang mit Ängsten

Wir alle haben sie, viele schämen sich für und unterdrücken sie. Die wenigsten wissen wirklich, wie man mit seinem Ängsten produktiv umgeht. Sich selbst im Weg stehen bedeutet, sich von seinen Ängsten kontrollieren zu lassen.

Über Ängste herrschen eine Menge Glaubenssätze. Ich dachte früher, ich wäre der Einzige, der diese verdammten Ängste hat und alle anderen würden souverän und mit Bravour durchs Leben schweben. Außerdem dachte ich, all diese erfolgreichen Menschen müssen irgendwas haben, was ich nicht habe. Einen verborgenen Schlüssel. Ich dachte sie wüssten etwas, das ich nicht weiß.

Der einzige Unterschied zwischen Menschen, die sich selbst im Weg stehen und welchen, die wirklich erfolgreich sind und auf ihre Ziele zuarbeiten ist die Art und Weise, wie sie mit ihren Ängsten umgehen.

Erfolgreiche Menschen Wissen, dass Ängste zu haben normal ist und dass mit ihnen umgegangen werden muss. Sie akzeptieren sich dafür, dass die Angst da ist. Sie treten in Kontakt mit ihrem Körper und spüren, was die Angst auf einer körperlichen Ebene mit ihnen macht. Was die Angst nämlich erst die Kontrolle übernehmen lässt ist unsere mentale Bewertung. Wenn wir krampfhaft versuchen, die Angst loszuwerden, wird sich wirklich unerträglich.

Wenn wir sie uns hingegen auf einer körperlichen Ebene ganz in Ruhe anschauen, wenn wir uns sagen “Hey, ich habe da ein gewisses Engegefühl in der Brust und mein Hals schnürrt sich etwas zu. Dazu fangen noch meine Handflächen an, etwas zu schwitzen” dann lässt sich damit viel leichter umgehen, als wenn alles in unserem Kopf schreit “Nein, Angst, geh weg. Oh Gott, ich halte es nicht aus, ich muss sie loswerden!”

Wie du mit Gefühlen umgehst, das erfährst du übrigens in diesem Artikel.

#3: Kein Bezug mehr zum eigenen Körper

Sich selbst im Weg zu stehen bedeutet auch, keinen Zugang mehr zum eigenen Körper zu haben. In unserer Gesellschaft zählt nur noch das Rationale. Wir denken, alle Probleme ließen sich durch pures Nachdenken lösen. Immerhin wird uns das doch in der Schule beigebracht. Wir verbringen unser ganzes Leben im Kopf und vernachlässigen unsere Beziehung zu unserem eigenen Körper dabei vollkommen.

Doch macht dieser Körper nicht über 90% von uns aus? Ist es nicht er, der uns so viele gute Gefühle machen kann? In ihm steckt so viel Weißheit und Klarheit – wenn du hinhörst. Er sagt dir, wann du dich schonen sollst – doch du strengst dich weiter an. Dein Kopf befiehlt es dir. Dein Körper lässt dich wissen, welche Nährstoffe er gerade benötigt – dein Kopf entscheidet sich, etwas anderes zu essen.

Bei wichtigen Entscheidungen ist der erste Impuls oftmals der richtige – doch wir entscheiden uns erst nachdem wir wochenlang im Kopf Eventualitäten sortiert haben. Die gute, alte Bauchentscheidung hat an Bedeutung verloren.

Wir stehen uns selbst im Weg, weil wir nicht mehr auf unseren Körper hören. Selbst wenn wir es wollten, es ginge bei vielen gar nicht mehr. Zu sehr hat der Kopf die Kontrolle übernommen. Zu stark ist der Fokus auf das Denken.

Doch wir können die Beziehung zu unseren Körper wieder aufbauen. Indem wir uns wieder Zeit für ihn nehmen. Wenn du morgens unter der Dusche stehst – grüble nicht schon dort nach, was dich an diesem Tag wohl alles erwarten wird. Stell die Gedanken an all deine Aufgaben, Verpflichtungen und Herausforderungen einmal hinten an. Konzentriere dich ausschließlich auf deinen Körper. Spüre, wie das Wasser an ihm herunterläuft. Fühle die Wärme (oder Kälte) des Wassers. Konzentriere dich auf den Geruch der Seife und das Gefühl deiner Hände auf deinem Körper.

(Mehr Achtsamkeisübungen findest du hier.)

Du kannst so immer wieder in deinen Körper zurückkehren. Während ich hier sitze und diesen Artikel tippe, kehre ich immer wieder in meinen Körper zurück. Ich spüre meine Finger auf der Tastatur und meinen Hintern auf dem Stuhl. Ich frage meinen Körper, wie es ihm geht und spüre in ihn hinein um eine Antwort zu bekommen. Probiere das auch einmal. Es ist ein wunderbares Mittel gegen sich selbst im Weg stehen.

Lies dir auch einmal diesen Artikel durch und erfahre dort, wie du dein Körpergefühl steigern kannst.

#4: Nicht wissen, was wir wollen

Sich selbst im Weg stehen wir immer dann, wenn wir nicht wissen, wohin es gehen soll. Wenn ein Kapitän nicht weiß, wohin er mit seinem Schiff in See stechen will, dann kann er zwar aus dem Hafen auslaufen. Danach wird er ziemlich planlos durch die Weltmeere tuckern. Er hat keine Chance, einen Kurs zu wählen, der zu einem sinnvollen Reiseziel führt. Weil es kein solches gibt.

Viele Menschen wissen ganz genau, was sie nicht mehr in ihrem Leben haben wollen. Darüber kann dir fast jeder einen mehrstündigen Monolog haben.

  • Ich möchte nicht mehr schlecht behandelt werden.
  • Ich möchte meinen nervigen Job nicht mehr machen.
  • Ich möchte nicht mehr so schüchtern sein.

Ihre Gedanken und mentalen Bilder kreisen nur darum, was sie nicht wollen. Wenn ich man sie jedoch fragt, was sie wollen, folgt oft lange Stille. Wir leben in einer Gesellschaft in der sich viele Menschen daran ergötzen, sich zu beklagen. Alles ist schlecht und die Welt geht langsam aber sicher zu Grunde. Doch kaum jemand hat wirklich eine Idee, wie es denn stattdessen sein soll. Das ist für mich die Personifikation von sich selbst im Weg stehen.

Wenn du nicht weißt, was du in deinem Leben haben willst, ist es unmöglich, es zu erreichen. Wenn du kein glasklares Bild davon hast, wie das Leben deiner Träume aussieht, dann wirst du dort nicht ankommen. Wir bewegen uns immer dahin, wo unsere Gedanken vor uns schon waren.

Liegt dein Fokus auf dem, was du nicht willst – was meinst du, was du bekommst? Ich kann dir nur wärmstens ans Herz legen, dir eine genaue Vorstellung davon zu machen, wie dein Leben aussehen soll. Ich habe mir stundenlang Zeit genommen um das Leben meiner Träume detailliert aufzuschreiben. Seitdem bewege ich mich unaufhaltsam darauf zu. Vorher habe ich nur rumgeeiert. Wie ein Kapitän ohne Ziel.

Ich wusste schlicht nicht genau genug, was ich wollte – deshalb habe ich es auch nicht bekommen.

Also ist mein Tipp an diejenigen, die sich wirklich verändern wollen: Schreib es auf. Sachen aufzuschreiben macht einen riesigen Unterschied. Sie brennen sich so in dein Unterbewusstsein ein. Wiederhole diese Übung jedes halbe Jahr, denn deine Vision wird sich verändern. Mit der Zeit wird dir immer klarer, was du willst. Du bekommst ein gestochen scharfes Bild davon, wie das Leben deiner Träume aussehen soll. Mach es dir auch zur Gewohnheit, mehrmals am Tag zu diesen Bildern zurückzukehren. So bleibst du auf deine Ziele fokussiert.

Unterbrich dein Gedankenmuster rigoros, wenn dein Fokus auf “will ich nicht haben” geht. Du wirst einige Zeit der Umgewöhnung brauchen. Das ist ganz normal. Deine alten Muster brauchen einige Zeit, um aufgelöst zu werden. Danach wirst du dir aber nicht mehr selbst im Weg stehen. Du wirst mit Vollgas auf das Leben deiner Träume zusteuern.

#5: Sich selbst ablehnen sabotiert jegliches Streben nach Glück

Stell dir einmal vor, dein dreijähriges Ich hat einen Lolli. Ein anderes Kind möchte diesen Lolli unbedingt haben. Nun ist es aber so, dass du dieses Kind auf irgendeinem Grund nicht magst. Du lehnst es ab. Würdest du ihm den Lolli geben? In diesem Alter, ohne große soziale Konditionierung, wahrscheinlich nicht.

Du gönnst ihm den Lolli nicht.

Genauso verhält es sich später mit dir selbst. Wenn du nicht davon überzeugt bist, dass du liebenswürdig bist, dann wirst du dir unterbewusst Glück und Erfolg nicht gönnen. Wenn du keine gute Beziehung zu dir hast, wie willst du dann bestrebt sein, dir Gutes zu tun? Unterbewusst wird man sich selbst im Weg stehen, wenn man sich selbst ablehnt und nicht akzeptiert.

Sich zu akzeptieren kann man jedoch lernen!

“Unglück und Leid entstehen, wenn wir uns selbst ständig Vorwürfe machen und uns als defekte Maschine betrachten, die wir erst reparieren müssen, bevor sie wieder wertvoll ist.”


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4 comments
  • Felix Kade

    Hallo Tim,

    ein toller Artikel! Es ist schön, dass du ein so tief gehendes Thema so leicht bearbeitest. Insbesondere die Punkte über die Angst und den Bezug zum eigenen Körper sind gerade Themen, die mich selbst beschäftigen. Ich bin oft ein Kopfmensch und zwinge mich zu Dingen, obwohl mir mein Körper anderes sagt. Danke für die Erinnerung öfter mal auf mein Bauchgefühl zu hören! Bei dem Thema Angst frage ich mich häufig: Woher weiß ich, dass eine Angst berechtigt ist und wann mir mein Kopf einen Streich spielt? Vielleicht kannst du darüber mal schreiben..

    Lg
    Felix

    März 4, 2015 10:46 am || Antworten

  • Tim Hamer

    Hey felix,

    gerne 🙂

    Mit der Angst ist es so eine Sache. Ich glaube als Faustregel machen wir uns viel zu viele Gedanken und haben viel zu viel Angst.

    Das bedeutet nicht, dass wir die Angst unterdrücken sollten. Vielmehr gilt es, sie zu akzeptieren, anzuschauen und am Ende trotzdem zu handeln.

    Darüber Hinaus kannst du noch auf Ursachensuche gehen. Wo könnten diese Ängste ensttanden sein? Vielleicht in der Kindheit?

    Aber tappe nicht in die Falle, dich 3 Jahre lang kaputt zu analysieren, während dieses spannende Leben an dir vorbei zieht 🙂

    Liebe Grüße
    Tim

    Mai 31, 2016 10:40 am || Antworten

  • Evelyn

    Hallo Tim,

    danke für deinen Artikel. Aktuell suche ich im Internet Möglichkeiten einen nahen Verwandten zu helfen. Er steht sich seit jeher selbst im Weg, früher haben wir es nicht erkannt, dass dieses Verhalten psychotische Züge hat. Er geht nun nicht mehr arbeiten, ist nicht mehr krankenversichert, er isst nicht anständig und ist untergewichtig (leidet aber sehr darunter)…Er hat natürlich kein Selbstbewusstsein. Ob er begriffen hat, in welcher Lage er sich befindet – können wir nicht genau sagen, da er alles herunterspielt. Er lässt sich auch bei (massiven) gesundheitlichen Problemen nicht helfen. Er schafft es nicht einmal sich selbst etwas zu leisten, z.B. in der Vergangenheit neue Möbel zu kaufen, d.h. mittlerweile glaube ich, Er kann es einfach nicht.
    Wie kann Ihm geholfen werden? Gibt es für dieses Verhalten auch eine medizinische Bezeichnung?
    Gibt es hierfür auch Einrichtungen zur Behandlung, bzw. ist dieses Verhalten gar nicht so selten?

    Vielen Dank und Gruß
    Evelyn

    Oktober 10, 2016 5:32 am || Antworten

  • Tim Hamer

    Hey ho Evelyn,

    einen konkreten Tipp kann ich dir dazu leider nicht geben, da ich nicht in der Situation bin. Ich bin jedoch der Überzeugung, dass wirkliche Veränderung erst dann stattfinden kann, wenn die Person von sich aus bereit dazu ist.

    Ich kann auch verstehen, dass du gerne helfen würdest und ihm Gutes tun willst, jedoch ist die in meinen Augen die einzige Möglichkeit in Gesprächen ohne Druck und Vorwürfe behutsam Samen zu sähen, die dann von Innen heraus Verständnis und den Wunsch zur Veränderung bewirken.

    Liebe Grüße,
    Tim

    Oktober 19, 2016 7:28 am || Antworten

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