Mai 23, 2019

Wieso dein Wahres Ich nicht ist, was du denkst (und wie du es trotzdem findest)

Wenn man “wahres Ich” googelt, kommen irgendwelche komischen Testseiten dabei heraus. Doch aus irgendwelchen Gründen, bist du nicht dort, sondern auf meiner Seite gelandet.

Darüber freue ich mich.

Vielleicht hast du auch auf diese Seite geklickt um herauszufinden, wie deine Persönlichkeit ist.

Möchtest du erfahren:

  • Ob du extro- oder introveriert bist?
  • Schüchtern oder offen?
  • Oder was du wirklich im Leben tun willst, wofür du hier bist?

Alle diese Fragen werde ich dir auf dieser Seite beantworten. Gleichzeitig hoffe ich auch, dass du Lust hast, das ganze Thema ein wenig tiefer zu beleuchten.

Denn in diesem Artikel zeige ich dir, wieso du tief in dir immer vollkommen in Ordnung bist, dich stets sicher fühlst und einen positiven, liebevollen Blick auf dich, andere Menschen und die Welt hast.

Außerdem zeige ich dir, wieso so wenig Menschen überhaupt von diesen Ort aus leben (und was du tun kannst, um nicht in die gleiche Falle zu tappen und so mehr Freiheit in dein Leben zu holen).

Denn je genauer wir erkennen können, was unser wahres Ich ist, desto glücklicher werden wir und desto mehr können wir das Leben entspannt, ohne Stress und im Fluss genießen.

Es ist nämlich so: Je mehr wir das, was im Leben passiert, auf “uns” beziehen, desto relevanter erscheint es uns – und desto mehr Angst und Unsicherheit müssen wir dem Leben gegenüber spüren.

Je mehr wir erkennen, dass “wir” gar nicht so viel mit dem zu tun haben, was uns momentan im Leben zu belasten scheint, desto freier werden wir.

Und vielleicht erkennen wir dann bald gemeinsam, dass wir alle viel mächter sind, als wir es uns jemals zu träumen gewagt hätten 🙂

Aber eins nach dem anderen. Am Ende des Artikels wirst du viel genauer verstehen, wie das gemeint ist und wie du das auf dein ganz persönliches Leben anwenden kannst.

Also, lass uns loslegen.

Wieso ich wissen sollte, wer oder was ich bin

Ja, was bin ich also?

Ich finde es immer sehr spannend wenn ich die ersten Gespräche mit einem neuen Coachee habe. Natürlich erzählen viele Coachees erst einmal eine Menge von “sich”. Das ist Voraussetzung für ein Coaching und genau richtig.

Doch manchmal muss ich ein wenig schmunzeln, denn ich weiß schon, welche Frage ich als nächstes stellen werde: “Du hast jetzt sehr viel von dir gesprochen, aber wer ist denn eigentlich dieses ich?”

Viele Coachees kommen dann ein wenig ins Grübeln. “Ja, richtig. Wer bin ich eigentlich? Oh, das weiß ich gar nicht so genau.”

Kein Wunder, kaum jemand weiß es auf einer tiefen Ebene und trotzdem ist unser am häufig benutzten Wörter alles, was mit “ich” zu tun hat. “Mein, meins, mich, mir, …”

Manchmal kommen dann so Antworten wie: “Naja, ich bin meine Gedanken” oder “Ich bin eine Mischung aus meinen Gedanken, Erinnerungen, meinem Körper und Gefühlen.”

Wieso wir scheinbar vergessen haben, wer wir wirklich sind

Der Grund dafür, dass so viele Menschen ewig darüber nachgrübeln, wer sie wohl sein könnten ist genau der: Sie grübeln darüber nach und können es vor lauter Lärm im Kopf nicht erkennen.

Wenn wir stark mit unseren persönlichen Gedanken identifiziert sind, dann sehen wir nicht klar (auch wenn unsere Gedanken uns das verklickern wollen).

Wir haben jeden Tag abertausende Gedanken.

Gedanken über die Welt, über andere Menschen und über uns selbst.

“Ich bin gut in Mathe” ist ein Gedanke über dich, genauso wie “Ich glaube, ich muss mehr Muskeln haben, damit die Frauen auf mich abfahren” ein Gedanke darüber ist, wie die (Frauen-) Welt funktioniert.

Vielen dieser Gedanken glauben wir unbesehen. Das liegt daran, dass wir sie so oft und schon so lange denken.

Dann kommt schnell der Eindruck auf, sie wären unsere Gedanken. Liegt auch nahe, denn zumindest scheint es so, als wäre das unsere innere Stimme dort oben. Immerhin hört es sich so an, als wäre sie innerhalb “unseres” Körpers.

Aus all diesen Gedanken formt sich mit der Zeit dein Bild von dir und der Welt.

An diesem Punkt tun sich zwei Fragen auf:

  • Wie akkurat ist dieses Bild von dir?
  • Wie fühlst du dich, wenn du all diesen Gedanken vollen Glauben schenkst?

Stellen wir uns diese Fragen, dann müssen wir zwangsläufig erkennen: Dieses Bild kann nicht sehr akkurat sein, denn es verändert sich mit der Zeit. Oder meintest du mit 12 Jahren, du wärst die gleiche Person wie du in deinem heutigen Alter bist?

Außerdem geht es vielen Menschen nicht allzu gut mit diesen Gedanken. Denn ihr gedankliches Selbstbild ist oft eher negativ ausgeprägt.

Doch auch, wenn sich diese täglichen, unbewussten Gedanken über uns (und die Welt) nicht gerade zu mehr Wohlbefinden führen, halten wir an ihnen fest wie Donald Trump an dummen politischen Forderungen.

Wieso dein Selbstbild nicht real (und daher sehr oberflächlich) ist

Schauen wir genauer hin, dann erkennen wir: Das Bild, welches wir von uns selbst haben, ist nicht real.

Es ist zu 100% ausgedacht – schließlich besteht es aus Gedanken (Glaubenssätze, Erinnerungen, Bildern) – und diese Gedanken haben wir uns nicht bewusst ausgesucht.

Sie waren scheinbar “auf einmal” da, ohne dass wir da etwas zu getan haben.

Manchmal sind sie sogar da ohne dass wir wissen, dass sie da sind.

Für unser Alltagsbewusstsein macht es eine Menge Sinn, solch ein spezifisches Selbstbild zu konstruieren. Denn auch wenn es nicht immer das angenehmste ist – so lässt es uns doch ganz gut in der Welt zurechtkommen.

  • Wir kennen unseren Platz in der Gruppe, meistens ohne große Rangkämpfe ausfechten zu müssen.
  • Außerdem “wissen” wir, was wir uns zutrauen können, und was nicht.
  • Wir “wissen”, wieviel Geld wir “verdienen” und welchen beruflichen Herausforderungen wir gewachsen sind.

Doch das ändert am Ende nichts daran, dass es ausgedacht ist.Wir können es theoretisch jeden Moment ändern.

Es gibt Menschen, die machen eine prägende Referenzerfahrung in ihrem Leben und lassen in diesem Moment ihren Glauben, absolut schüchten zu sein einfach los – und sind ab dann nicht mehr schüchtern.

Was bin nich denn nun? Eine Entdeckungsreise zum wahren Ich

Lass uns damit beginnen zu erforschen, was du nicht bist.

Wenn ich dir ein Auto auf der Straße zeige und dich frage: “Bist du dieses Auto?”– dann würden wohl 99.999% aller Menschen mit “Nein” antworten. Wenn ich die selbe Frage mit einem Blumentopf oder dem Bild an der Wand stellen würde, dann rechne ich mit einer ähnlichen Antwort.

Das ist einfach nachzuvollziehen und komplett logisch. Immerhin befinden sich diese Objekte außerhalb von “uns” und wir sind scheinbar “hier drin” und schauen raus – und sehen da halt das Auto, den Blumentopf und das Bild an der Wand.

Außerdem haben wir keinerlei Kontrolle über diese Objekte, wir können nicht willentlich beeinflussen, was sie tun. Du kannst dem Bild nicht sagen: “Fall jetzt von der Wand”.

Ich meine, das kannst du schon. Nur wird es das nicht für dich tun.

Und wir wissen ja, wenn wir etwas wahrnehmen können, dann sind wir es nicht. Dazu braucht es einen Wahrnehmenden und etwas, das wahrgenommen werden kann.

Bist du dein Körper?

Die nächste Frage wäre: Bist du dein Körper? Hier wird es schon ein wenig interessanter.

Denn über den Körper haben wir ja eine gewisse Kontrolle (aber auch nicht zu 100%).

Wir können zwar bestimmen, jetzt unsere linke Hand zu heben aber nicht entscheiden, jetzt mal weniger zu schwitzen oder die Verdauung anzuhalten.

Auch fühlt es sich so an, als wenn “wir” im Körper (genauer im Kopf) sind und herausgucken.

Aber auch hier ist es so, dass wir den Körper wahrnehmen können, also können wir am Ende auch nicht dieser Körper sein.

Bist du deine Gedanken?

Lass uns einen Schritt weitergehen: Sind wir unsere Gedanken? Diese Frage haben wir weiter oben schon beleuchtet. Sie kommen uns in den meisten Fällen noch näher, intimer und “wir selbst” vor, als unser Körper.

Wir haben diese Stimme dort oben schon so oft gehört, sodass der Eindruck entstanden ist, es wäre unsere Stimme und auch unsere Gedanken.

  • Doch weißt du, was dein nächste Gedanke sein wird?
  • Kannst du deine Gedanken dauerhaft kontrollieren?

Hier ist es ein wenig wie mit dem Körper.

Du kannst jetzt “Hallo” in deinem Kopf denken aber nicht dauerhaft deine Gedanken kontrollieren. In einem unachtsamen Moment kommen die alten, negativen Gedanken doch wieder in unser Bewusstsein.

Also können wir auch nicht unsere Gedanken sein, weil niemand so genau weiß, welche Gedanken wann in unserer Wahrnehmung auftauchen (und wo die dann genau herkommen).

Außerdem können wir sie, genau wie das Auto, das Bild und unseren Körper ja wahrnehmen. Wir halten fest: Wir sind nicht unsere Gedanken, wir haben sie oder nehmen sie höchstens wahr.

Was uns Träume über unser wahre Ich verraten

Ok, auf zum nächsten Schritt: Dem Schlaf. Es gibt traumlosen Schlaf und träumden Schlaf. In Traum ändert sich vieles. Du kannst “jemand anders” sein, an abgefahrenen Orten und mit Superkräften ausgestattet, die du sonst nicht hättest.

Doch auch hier wird nur das ausgetauscht, was du wahrnimmst.

Doch was ist im traumlosen Schlaf eigentlich los?

  • Wo bist du?
  • Wo ist die Welt?
  • Wo ist da noch etwas, das du wahrnehmen kannst.

Hier wird es interessant. Denn hier ist einfach nichts mehr da. Vorher war immer etwas da, was du beobachten bzw. wahrnehmen kannst. Im traumlosen Schlaf ist das alles scheinbar komplett weg.

“Du” bist weg und komplett unbewusst. Was im “Außen” vorgeht, falls es dann überhaupt noch ein Außen gibt, weißt du nicht. Vielleicht hört sich die Welt dann ja auf zu drehen.

Zumindest können wir festhalten, “dich” gibt es im traumlosen Schlaf nicht mehr. Was ist hier anders? Wieso kannst “du” in all den anderen Fällen erkennen, was “innen” und was “außen” zu sein scheint und hier ist auf einmal alles weg?

Das liegt daran, dass hier dein Bewusstsein offenbar ausgeschaltet ist.

Wir können also festhalten: Was du wirklich bist ist Bewusstsein. Du bist das, was all das hier wahrnimmt. Du bist das Bewusstsein, in dem das Auto auftaucht und in genau dem gleichen Bewusstsein auch deine Gedanken, dein Körper und deine Gefühle auftauchen.

Sogar wenn du dich komplett innerlich ruhig und entspannt fühlst – es ist immer das Bewusstsein da, was diese Ruhe oder dieses “nichts” wahrnehmen kann.

Dein Bewusstsein ist immer da und es war auch schon immer da. Es ist das gleiche Bewusstsein, dass mit vier Jahren die Schaufel im Sandkasten wahrgenommen hat, das jetzt auch jetzt deine Lebenserfahrung mit allem guten, schlechten und Erfolgen und Niederlagen wahrnimmt.

Das bist du. Das, was wahrnimmt. Deshalb bist du auch “weg”, wenn du im traumlosen Schlaf bist. Weil dann, zumindest subjektiv, nichts mehr da ist, was wahrnimmt.

Wie unser wahres Ich unser Leben leichter macht

Das ist es also, was du bist. Was können wir damit jetzt anfangen?

Gute Frage.

Die wichtigste Erkenntnis ist, dass wir nicht unsere Gedanken und unsere Gefühle sind.

Denn viele Menschen sind damit sehr stark identifiziert. Sie erkennen nicht, dass sie diese nur wahrnehmen. Stattdessen denken sie, Gedanken und Gefühle gäben die Realität komplett wieder.

Und wenn dann der Gedanke kommt, nicht gut genug zu sein, dann sind wir so lange WIRKLICH nicht gut genug, bis wir diese Gedanken erkennen.

Dadurch entsteht sehr viel Leid. Denn wir meinen, diese Gedanken wäre wahr und hätten ganz viel mit unserem Leben und unserem Wohlbefinden zu tun.

Doch je mehr wir erkennen, dass wir die Gedanken und Gefühle nur wahrnehmen und sie gar nicht so viel über die Realität aussagen, wir wir das meinen, erlangen wir große Freiheit im Leben.

  • Auf einmal sind die Dinge nicht mehr gefährlich, sondern wir erkennen dass unsere Gedanken sie gefährlich machen.
  • Dann ist ein Gefühl, dass wir jahrelang gemieden haben oder unter dem wir lange leiden mussten, nur noch ein Gefühl dass wir wahrnehmen (und was mit unseren fundamentalen Wohlbefinden rein gar nichts zu tun hat).

BLOCKQUOTE Wenn wir erkennen, dass Probleme eigentlich keine Probleme sind – sondern nur Gedanken über eine Situation, der wir eine Menge Glauben schenken – dann sind wir immer weniger gestresst.

Zum Glück war das alles nur ein Traum

Das ist dann ungefähr so, als wenn du aus einem Traum aufwachst und erkennst “Mensch, zum Glück hab ich das nur geträumt”.

Ich meine im Traum kommt uns der Traum ja auch sehr real vor. Wir haben Angst, laufen Weg oder machen interessante Erfahrungen.

Doch in dem Moment, in dem wir aufwachen, scheint das alles irrelevant zu sein. Von einer Sekunde auf die nächste. Ist das nicht spannend? Was wäre, wenn diese “wache” Realität sich am Ende doch nur als ein weiterer Traum entpuppen würde?

Das der Traum aus Gedanken und Gefühlen besteht, mit denen wir stark identifiziert sind, anstatt sie zu beobachten?


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2 comments
  • Janina

    Hi Tim,
    sehr spannender Beitrag. Habe noch nie über den Zusammenhang zwischen Bewusstseins und Schlafen nachgedacht. So kann man sich das wirklich gut verdeutlichen.
    Es macht total Sinn, dass uns unser Selbstbild funktionieren lässt. Und es ist ja auch gewohnt und damit innerhalb unserer Komfortzone.
    Nur wie verändert sich das Selbstbild eigentlich, wenn wir wirklich begreifen -also nicht nur rational verstehen-, dass wir reines Bewusstsein sind? Brauchen wir dann noch ein Selbstbild oder legen wir es dann ab?
    Bin gespannt auf deine Antwort!
    Alles Liebe
    Janina

    Mai 30, 2019 4:12 pm || Antworten

    1. Tim Hamer

      Ich glaube, dass das Selbstbild, Gedanken und Gefühle dann immer noch da sind – und wir es halt einfach nur mitbekommen.

      Vorher sitzen wir vor dem “Fernseher des Lebens” und sind mit dem Film identifiert. Jetzt sitzen wir immer noch vor dem Fernseher, aber jemand hat uns die Hand auf die Schulter gelegt und wir sind uns dessen wieder bewusst 🙂

      Mai 31, 2019 4:45 pm || Antworten

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